Müllnotstand in Italien

Italien bittet die Betreiber thermischer Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland um Hilfe. Pressemitteilung vom 13.02.2008
Der von der italienischen Regierung beauftragte Kommissar für den Müllnotstand der Region Kampanien, Giovanni de Gennaro, hat die Anlagenbetreiber der thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland um Hilfe bei der dringend notwendigen Entsorgung von bis zu 200.000 t Abfall aus der Region Kampanien gebeten.

Bei den Abfällen handelt es sich um Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle, die derzeit auf den Straßen der Region lagern. Aus hygienischen und umweltschutzrechtlichen Gründen hat eine schnelle und umweltgerechte Entsorgung dieser Abfallmengen absolute Priorität. Da in Italien derzeit keine entsprechenden Behandlungskapazitäten zur Verfügung stehen, hat das Sonderkommissariat über die italienische Botschaft in Berlin Kontakt zur ITAD aufgenommen.

„ Der Botschafter und die Vertreter des Sonderkommissariats haben uns die Dringlichkeit einer umweltgerechten Entsorgung geschildert und dabei auch deutlich gemacht, dass es sich hierbei um eine kurzfristige sowie zeitlich und mengenmäßig begrenzte Nothilfemaßnahme handelt. Beide Seiten sind sich einig, dass in der Region Kampanien mittelfristig entsprechende Entsorgungsstrukturen vor Ort etabliert werden müssen“, fasst Carsten Spohn, Geschäftsführer der ITAD, die Gespräche zusammen.

„Die Mitglieder der ITAD werden nun prüfen, ob und inwieweit kurzfristig Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden können.“

Als Schnittstelle zwischen den Anlagenbetreibern und dem italienischen Sonderkommissariat soll die Italienische Handelskammer für Deutschland fungieren.

„Ein wichtiger Punkt bei einer kurzfristigen Nothilfemaßnahme ist eine zeitnahe Genehmigung durch die zuständigen Behörden“, so der stellvertretende Vorsitzende der ITAD, Peter-Olaf Hoffmann, „eine Klärung der wirtschaftlichen und technischen Randbedingungen zwischen den in Frage kommenden Anlagenbetreibern und den italienischen Ansprechpartnern vorausgesetzt.“

In Deutschland sind die Länder für diese Genehmigungen zuständig. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Bedenken und Einwände deutscher Genehmigungsbehörden gegen den Import der Abfälle aus Kampanien gegeben. Deutschland verfügt über einen modernen und hocheffizienten Anlagenpark zur thermischen Behandlung von Abfällen. Dabei wird die im Abfall
enthaltene Energie unter Einhaltung strengster Umweltschutzstandards und ständiger Kontrolle der Emissionen durch die Überwachungsbehörden in Strom und Fernwärme umgewandelt. Durch Substitution fossiler Brennstoffe, die ansonsten zur Strom- und Fernwärmeerzeugung genutzt werden müssen, leisten thermische Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland mit einer CO2-Einsparung von rund 4,5 Millionen Tonnen einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz.

„Neben der Beseitigung des direkten Gefahrenpotenzials für die Anwohner der Region Kampanien, darf man nicht außer Acht lassen, dass bei einer Verrottung der Abfälle auf den Strassen oder wilden Deponien eine erhebliche Menge Methangas freigesetzt wird. Eine schnelle ordnungsgemäße und schadlose Entsorgung dieser Abfälle ist daher auch aus Klimaschutzgründen dringend angezeigt.“, sagt Peter-Olaf Hoffmann weiter. „Die vorgenannten Fakten sowie die Tatsache, dass es sich bei dieser Anfrage um eine kurzfristige Nothilfemaßnahme handelt und nicht um eine langfristige Verlagerung italienischer Abfallmengen nach Deutschland, müssen auch von den zuständigen Genehmigungsbehörden berücksichtigt werden.“

Pressemitteilung [PDF]

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