Missverständliche Aussage des BMUB zur Klärschlammentsorgung

Pressemitteilung vom 10. Juli 2017

ITAD zeigt sich verwundert über den Tenor der Pressemeldung des BMUB zu den Aussagen der Klärschlammentsorgung in Thermischen Abfallbehandlungsanlagen

Das Bundesumweltministerium titelt in der Pressemitteilung vom 05.07.2017 (BMUB-Pressedienst Nr. 235/17): „Phosphor – zu wertvoll für die Müllverbrennung“. Dieser reißerische Aufmacher erregt in den Medien sicherlich Beachtung, geht aber an den Realitäten in der Kreislaufwirtschaft völlig vorbei. Weiter heißt es: „Phosphor ist der verborgene Schatz im Klärschlamm. Trotzdem wird er immer noch in Müllverbrennungsanlagen vernichtet.“

Gerhard Meier (Vorstandsvorsitzender der ITAD) zeigt sich überrascht von derartigen Aussagen in der Pressemitteilung eines Fachministeriums: „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, warum in der Pressemitteilung des BUMB der Eindruck vermittelt wird, dass die Thermischen Abfall-behandlungsanlagen dafür verantwortlich sind, eine Phosphatrückgewinnung im großen Stil zu verhindern.“ Daher sieht ITAD die Notwendigkeit, falschen Eindrücken entgegen zu treten.

Aus öffentlichen und nicht öffentlichen Kläranlagen sind laut letzten Zahlen von DESTATIS in 2013 rund 3,38 Mio. t Klärschlamm-Trockenmasse angefallen. Aus den öffentlichen Kläranlagen, die der Klärschlamm-Verordnung unterliegen und in denen somit die Phosphatrückgewinnung geboten ist, fielen laut DESTATIS in 2015 rund 1,8 Mio. t Klärschlamm an. Davon wurden rund 64 % (rd. 1,2 Mio t) thermisch entsorgt.

Von den 1,8 Mio. t Klärschlamm werden laut Destatis rund 0,45 Mio. t in Mitverbrennungsanlagen entsorgt. Hierunter fallen insb. Braunkohlekraftwerke und Zementwerke, die dadurch Kohle substituieren. Bei der Mitverbrennung in MVA/EBS-Kraftwerke steht hingegen die Schadstoffminimierung an erster Stelle. Eine weitere Differenzierung, welche Mengen in Müllverbrennungsanlagen mitverbrannt werden, erfolgt durch DESTATIS nicht.

Nach Erhebungen der ITAD wurden in den rund 80 Anlagen in 2015 rund 0,2 Mio. t Klärschlamm (Originalsubstanz) eingesetzt. Nun muss man diese Menge auf Trockenmasse umrechnen und berücksichtigen, dass es sich auch um Klärschlämme aus nicht öffentlichen Kläranlagen handelt. Somit werden in den Müllverbrennungsanlagen weit unter 5 % der öffentlichen Klärschlämme mitverbrannt!

ITAD begrüßt die Initiative des BUMB unter dem Aspekt der Ressourceneffizienz, den im kommunalen Klärschlamm enthaltenen Phosphor zukünftig stärker als bisher zu nutzen. Zahlreiche Betreiber thermischer Anlagen sind daher in der Projektierung von Verwertungsmaßnahmen zur Rück-gewinnung von Phosphor. Somit stellt Gerhard Meier klar: „Wir sind seit Jahren ein verlässlicher Partner, auch bei der kommunalen Klärschlammentsorgung. Wir sind Teil der Lösung des Problems und nicht, wie suggeriert wird, Teil des Problems. Durch neue Vortrocknungsanlagen und Bau von Monoverbrennungslinien an unseren etablierten Standorten stellen wir uns der Verantwortung für eine nachhaltige Klärschlammnutzung.“

 

ITAD e.V. ist die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen (TAB = Müllverbrennungsanlagen (MVA) und Ersatzbrennstoff-Kraftwerke (EBS-KW)) in Deutschland. Knapp 80 TAB mit über 90 % der bundesdeutschen Behandlungskapazität sind Mitglied der ITAD und verwerten mit fast 7.000 Mitarbeitern rund 23 Mio. Tonnen Abfälle pro Jahr und erwirtschaften einen Umsatz um 2,3 Mrd. €. Rund 80 % des Hausmülls von rund 66 Mio. Einwohner sowie unzähliger Unternehmen werden direkt entsorgt.

Pressemitteilung  vom 10.07.2017

 

Artikelaktionen