Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft folgt einem klaren Leitbild: Abfälle vermeiden, Produkte wiederverwenden und Materialien recyceln. Dieses Prinzip ist richtig und notwendig. Es stößt jedoch in der Praxis an Grenzen. Nicht alle Produkte lassen sich vollständig oder hochwertig recyceln – selbst bei hohem technischem Aufwand und konsequenter Abfalltrennung. Genau an dieser Stelle übernehmen thermische Abfallbehandlungsanlagen (TAB) eine unverzichtbare Funktion: Sie schließen die Lücken der Kreislaufwirtschaft und holen aus nicht-recycelbaren Abfällen noch das Maximum an Nutzen heraus. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft besteht also nicht nur aus Vermeidung und Recycling. Sie braucht auch einen verlässlichen Umgang mit den Abfällen, die sich nicht im Kreislauf halten lassen. Thermische Abfallbehandlungsanlagen sichern Recyclingprozesse ab, verhindern die Deponierung unbehandelter Abfälle, gewinnen Energie und Rohstoffe zurück und schützen Klima und Umwelt. Ohne sie wäre die Kreislaufwirtschaft unvollständig und in der Praxis nicht umsetzbar. Eine Übersicht über die deutsche Abfallwirtschaft und Behandlungswege, die die Bedeutung der thermischen Abfallbehandlung im Detail darstellt, finden Sie im Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft

Die Themen auf dieser Seite haben wir bewusst vereinfacht dargestellt, um sie auch Fachfremden zugänglich zu machen. Sollten Sie tiefer ins Thema einsteigen wollen, kontaktieren Sie uns gerne. 

Warum Recycling an Grenzen stößt

Das Prinzip „Reduce, Reuse, Recycle“ bleibt zentral – doch jede Wertstofffraktion hat ihr eigenes technisches und wirtschaftliches Optimum.

  • Metalle, Glas und Papier erreichen bereits sehr hohe Recyclingquoten. Hier sind die Prozesse etabliert und effizient. Denn nicht nur die Materialien lassen sich gut technisch sortieren, sondern auch eine getrennte Erfassung ist für den Abfallerzeuger nachvollziehbar, sodass gesammelte Abfälle homogener sind. Zusätzlich bestehen gute Möglichkeiten in der Recyclingkette, die Qualität bis hin zu neuen Produkten zu verbessern.

  • Verbundmaterialienoder sehr heterogene Abfallgemische hingegen stellen ein größeres Problem dar. Produkte wie Elektrogeräte, Mehrschichtverpackungen oder Kunststoffgemische bestehen aus vielen unterschiedlichen Materialien. Bevor diese zu neuen Produkten verarbeitet werden können, müssen die Materialien zuerst voneinander getrennt werden. Das ist jedoch nicht für alle Komponenten komplexer Produkte möglich und so bleiben auch nach einer Aufbereitung und Sortierung noch Reste, die nicht in bestehende Recyclingverfahren passen. 

Ein Beispiel für Produkte, die sich nicht oder nur sehr schlecht recyceln lassen, sind Multi-Layer-Verpackungen: Sie bestehen aus mehreren Kunststoffarten, die fest miteinander verbunden sind. Diese Materialien lassen sich mit mechanischem Recycling nicht trennen. In Sortieranlagen zeigt sich, dass es viele Verpackungen gibt, die nicht einfach recycelt werden können. 

Das liegt daran, dass viele Produkte eine bestimmte Qualität der Rezyklate erfordern, die bei Verbundmaterialien oder sehr heterogenen Abfallgemischen nicht wieder hergestellt werden kann. Das heißt: Abfälle mit einem großen Mix aus unterschiedlichen und nicht hinlänglich bekannten Materialien lassen sich immer schwieriger zurück in (Produktions-)Prozesse einschleusen, die auf die Einhaltung bestimmter Materialkennwerte angewiesen sind. Um aus diesem heterogenen Abfallgemisch aber im Sinne der Kreislaufwirtschaft noch das Maximum herauszuholen, muss das Gemisch in seine „chemischen“ Bestandteile zerlegt werden; das ist unter anderem bei verschiedenen Verfahren des sogenannten chemischen Recyclings möglich, aber auch sehr aufwendig. Die Endprodukte erhalten dann zumindest wieder bekannte Materialkennwerte, mit denen wir sicher umgehen können. 

In thermischen Abfallbehandlungsanlagen passiert im Grunde nichts anderes, nur dass dort mit einer sehr viel größeren Vielfalt an Stoffen umgegangen werden kann: Der angelieferte Abfall wird durch das thermische Verfahren in seine Bestandteile zerlegt bzw. mit dem Luftsauerstoff oxidiert; ein Teil davon ist CO2, das perspektivisch ebenfalls weiterverwendet werden kann. Die festen Rückstände beinhalten im Wesentlichen mineralisiertes Material und Metalle, die nach weiterer Sortierung und Behandlung wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können.

Die Realität der Abfallmengen

Im Jahr 2021 wurden in Deutschland rund 407 Millionen Tonnen in Abfallbehandlungsanlagen entsorgt. Davon gingen 47,6 Millionen Tonnen (11 %) in thermische Abfallbehandlungsanlagen (Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2024). Selbst in einem Land wie Deutschland mit vergleichsweise hohen Recyclingquoten bleibt ein erheblicher Anteil an Abfällen, der nicht stofflich verwertet werden kann. Ohne thermische Abfallbehandlung gäbe es für diese Mengen keine gleichwertige Alternative. Weder Recyclinganlagen noch andere Verfahren könnten sie kurzfristig aufnehmen oder ersetzen. Würden thermische Anlagen innerhalb weniger Jahre wegfallen, fehlten schlicht die technischen Kapazitäten, um diese Abfälle anderweitig sicher und sauber zu behandeln.

Kreislaufwirtschaft endet nicht beim Recycling

Thermische Abfallbehandlungsanlagen sind kein Gegenmodell zur Kreislaufwirtschaft, sondern ein Teil von ihr. Neben dem Ausschleusen gefährlicher Schadstoffe und der Volumenreduktion des Abfalls, der nicht direkt ins Recycling geht, tragen sie auch zur Rückgewinnung von Ressourcen bei. Neben der Energie werden die festen Rückstände der Verbrennung, die sogenannten Hausmüllverbrennungsaschen (HMVA), weiterverwertet. Aus ihnen werden Metalle wie Eisen, Aluminium oder Kupfer zurückgewonnen. Die mineralischen Bestandteile können nach der Aufbereitung als Ersatz für primäre Baustoffe in technischen Bauwerken genutzt werden, zum Beispiel als Untergrund im Straßenbau. Jährlich werden rund 470.000 Tonnen Metall aus der Asche abgetrennt. Jede Tonne recycelten Metalls vermeidet die energieintensive Gewinnung aus Primärrohstoffen. Damit leisten thermische Abfallbehandlungsanlagen einen doppelten Beitrag: Sie verhindern umweltschädliche Entsorgungswege und sorgen dafür, dass selbst aus nicht-recycelbaren Abfällen noch wertvolle Ressourcen zurückgewonnen werden.

 

 

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