Der Standbau von ITAD folgt konsequent dem Prinzip der Zirkularität. Bereits in der Planungsphase wird festgelegt, dass Wiederverwendung und Modularität Vorrang vor rein ästhetischen Anpassungen oder kurzfristigen Komfortentscheidungen haben. Das Ergebnis ist ein Messestand, der eine Wiederverwendungsrate von über 80 Prozent aufweist und damit weit über dem üblichen Standard der Messebranche liegt. Unser Ziel ist nicht die Inszenierung einer kurzfristigen Messearchitektur, sondern die langfristige Nutzung eines funktionalen, ressourcenschonenden Systems.
Modulare Architektur: Bauteile, die im Gemeinschaftsstand und bei Mitausstellern funktionieren
Die Grundkonzeption des Standes ist bewusst modular aufgebaut. Sämtliche größeren Elemente, von Wänden über Aufsteller bis hin zu Schildern, sind so gestaltet, dass sie sowohl im Gemeinschaftsbereich als auch auf den Ständen der Mitaussteller mehrfach eingesetzt werden können. Diese Flexibilität sorgt dafür, dass Materialien und Bauteile über mehrere Veranstaltungszyklen hinweg genutzt werden und der Ressourcenverbrauch signifikant sinkt.
Langfristige Zusammenarbeit mit FAIRNET: Nachhaltigkeitsstandards entlang der gesamten Kette
Der Messestand wird fortlaufend gemeinsam mit unserem Messebauer FAIRNET weiterentwickelt, der als „Sustainable Company powered by fwd:“ sowie Green Globe-zertifiziert ist und anspruchsvolle ökologische Standards in seiner eigenen Wertschöpfungskette erfüllt. Die kontinuierliche Zusammenarbeit ist für uns auch deshalb zentral, weil FAIRNET unsere strengen Anforderungen an einen nachhaltigen Messestand ernst nimmt und wir auf über viele Messen bewährte Standbau-Elemente immer wieder zurückgreifen können, ohne neue produzieren zu müssen. Damit stellen wir sicher, dass Planung, Lagerhaltung, Transport und Weiterverwendung der Standbauteile entlang klarer Nachhaltigkeitskriterien erfolgen.
Systembau und Wechselteile: langlebige Unterkonstruktion, austauschbare Grafiken
Die Wandkonstruktion unserer Kabine einschließlich Lager und Küche basiert auf einer langlebigen Aluminium-Messesystem-Unterkonstruktion. Diese Systeme durchlaufen beim Messebauer zahlreiche Einsätze und sind dafür ausgelegt, über viele Jahre hinweg eingesetzt zu werden. Auch die Decke aus Truss sowie die Fernkennung aus Alurahmen stehen für konsequente Wiederverwendung: Die Konstruktion kommt nahezu identisch bereits zum fünften Mal auf der IFAT zum Einsatz. Gleiches gilt für textile Grafikflächen und Thekenbanner, die bei den Mitausstellern teilweise bereits im vierten Einsatz sind.
Klimawirkung: messbare Reduktion und klare Richtung für die nächsten Zyklen
Die CO₂e-Bilanz des Standes zeigt bereits eine Reduktion (berechnet durch FAIRNETmit dem CO2-Rechner der KlimAktiv gGmbH):
Wir können sicher prognostizieren, dass wir den Wert 2026 weiter deutlich senken können, da wir in diesem Jahr so gut wie keine Elemente neu produziert haben.
Auszug der verwendeten Standbau- und Logistikelemente
Kreislauffähiger Fußbodenbelag (800 m²): Rewind statt klassischer Event-Teppiche
Wir setzen beim Teppichboden auf einen komplett kreislauffähigen Messeteppich der Marke Rewind: latexfrei, mono-material-basiert, selbst ein Rezyklat, rückführbar und zu 100 % recyclingfähig. Damit adressieren wir einen bekannten Schwachpunkt klassischer Event-Teppiche, die häufig keine Rücknahmesysteme bieten.
Jedes Jahr werden über 120 Millionen Quadratmeter Teppichboden für Messen hergestellt, die anschließend wegen Verbundstoffen und Verschmutzung nicht recycelt werden können. Wir gehen hier bewusst einen anderen Weg.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Messeteppichboden erfordert die Produktion von Rewind kein Wasser und 83 % weniger Gas. Dieser energieeffiziente Produktionsablauf reduziert die CO₂-Emissionen insgesamt um bis zu 35 %.
Modulare Theken: mit Transportlogik für mehrere Generationen
Die modulare Theke ist auf einen Lebenszyklus von ca. 50 Einsätzen ausgelegt. Dazu gehören Holz-Transportkisten, die auch über die Lebensdauer einer Theke hinaus genutzt werden, um auch die nächste Generation unversehrt zu transportieren. Die Kisten erlauben zudem, die Theken bei Transport und Lagerung übereinander zu stapeln.
Systemrückwände: hohe Wiedereinsatzfrequenz bei Aluminium und Stoffen
Die Messesystemrückwände haben durchschnittlich eine Wiedereinsatzhäufigkeit von ca. 40 Einsätzen (in der Praxis häufig mehr; insbesondere Aluminium wird oft noch häufiger eingesetzt). Die Stoffe sind ebenfalls wiederverwendbar und können bei unbeschädigtem Zustand 2- bis maximal 5-mal wiedereingesetzt werden.
Fernkennungsbanner seit 2016: Design für Teiltausch statt Kompletttausch
Das Banner zur Fernkennung ist eine Sonderanfertigung für den ITAD-Messestand und seit 2016 im Einsatz. Stoffgrafiken werden auf Pappkerne gerollt (wiederverwendbar) oder im Stapelrahmen zusammengefaltet luftdicht verschlossen gelagert. Dadurch werden sie häufig länger genutzt als in vielen anderen Projekten. Das Design ist so angelegt, dass die Grafiken der Mitaussteller autark gehängt werden können: Bei Verschiebung der Ausstellungsflächen oder Austausch der Aussteller wird nur das jeweilige Logo getauscht, während das Hauptbanner weiterverwendet werden kann.
Leuchtkästen und Rahmen: langlebiger Eigenbestand seit 2016
Die Leuchtkästen an der Decke bestehen – wie das Wandsystem – aus Aluminiumprofilen und werden typischerweise 5–10-mal eingesetzt.
Verpackung und Transport: Standardisierung, Volumenreduktion, weniger Einweg
Beim Verpacken achten wir darauf, Verpackungseinheiten möglichst standardisiert zu gestalten und auf unnötige Verpackungen zu verzichten.
Megawall-Rahmen werden in demontierbaren Metallgestellen transportiert, farblich nach Größe sortiert. Leere Gestelle lassen sich für die Einlagerung nahezu auf Palettenhöhe auseinanderbauen und stapeln; das spart Volumen.
Sammelboxen („Aufsteckrahmen“) bündeln Kleinteile zentral und reduzieren Verpackung: z. B. Kleiderhaken, Profilzylinder für Türen, Schlüssel, Schrauben, Klebebänder.
Podest- und Plattenmaterial: Mehrfachnutzung bis zur energetischen Verwertung
Fußbodenplatten im Podest hatten teils „im ersten Leben“ bereits andere Funktionen (z. B. Wandplatten); zum Großteil sind es unbeschichtete Spanplatten. Diese Verlegespanplatten werden mehrfach eingesetzt und bei Bedarf aussortiert. Aus aussortierten Platten wird zunächst Unterlattung geschnitten, die ebenfalls mehrfach eingesetzt wird. Erst unbrauchbar gewordene Unterlattung wird anschließend thermisch verwertet; aus der entstehenden Abwärme werden wiederum Fernwärme, Strom und Prozessdampf erzeugt.
Technik: vollständig gemietet, Wiederverwendung im Regelfall 100 %
Die technische Ausstattung (Monitore, Licht, interaktive Module) ist vollständig gemietet und wird nach der Veranstaltung weiterverwendet. Damit liegt die Weiterverwendungsquote der Technik im Regelfall bei 100 %.
Systemstandwände und Materialwahl: langlebig, häufige Zyklen, gut recyclebar
Bei den Systemstandwänden ist die Wiederverwendung strukturell angelegt: Die Aluminium-Unterkonstruktion (Profile/Rahmen/Verbinder) ist für häufige Auf- und Abbauzyklen ausgelegt und bleibt über viele Messejahre im Bestand. Der Hersteller Octanorm beschreibt diese Lösungen ausdrücklich als langlebig und wiederverwendbar; hinzukommt, dass es sich um leicht recyclebares Aluminium handelt.
Eigentum, Miete und Wechselteile: Kreislauflogik statt Neuanschaffung
Die Truss/Traverse ist bewusst vor Ort gemietet und geht nach der Messe zurück in den Umlauf. Auch hier erfolgt keine Neuanschaffung für den Messeauftritt. Insgesamt reduziert diese Systemlogik sowohl Materialneumengen als auch das Abfallaufkommen und senkt die CO₂-Last pro Messezyklus durch vermiedene Neuproduktion und Entsorgung.
Reparatur- und Lagerprozess: Kontrolle, Sortierung, nächster Kreislaufschritt
Die Architektur des Standes ist auf Austauschbarkeit und Größenskalierung ausgelegt und setzt sich in Fertigung und Montage fort. Reparatur statt Ersatz ist dabei Teil der Logik: Nach Rücknahme der Materialien erfolgt im Lager eine Kontrolle und Sortierung der einzelnen Bauteile und Stücke mit der Entscheidung, ob direkte Einlagerung und Wiederverwendung, Reparatur oder Überführung in den nächsten Schritt der Kreislaufwirtschaft erfolgt.
Logistik und Montage: regionale Teams und lokale Anmietung
Der Projektmanager/Bauleiter kommt aus Leipzig, das Montageteam aus dem Großraum München. Auch das reduziert Reiseemissionen und unterstützt die Kreislauflogik.