Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026

Mit dem Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026 liegt zum vierten Mal eine umfassende, datenbasierte Bestandsaufnahme der Branche vor. Getragen von 15 Verbänden der Kreislaufwirtschaft sowie der IFAT / Messe München zeigt der Bericht, welchen Beitrag die Kreislaufwirtschaft für Entsorgungssicherheit, Rohstoffsicherung, industrielle Wertschöpfung und die Stabilität zentraler Infrastrukturen leistet.

Acht Jahre nach dem ersten Statusbericht steht die Branche in einem deutlich veränderten Umfeld. Globale Krisen, geopolitische Konflikte und instabile Lieferketten haben die systemische Bedeutung der Kreislaufwirtschaft sichtbarer gemacht. Gleichzeitig geraten Leistungsfähigkeit, Investitionsbereitschaft und Innovationsdynamik zunehmend unter Druck. Der Statusbericht macht deutlich: Zwischen den politischen Erwartungen an eine umfassende Kreislaufwirtschaft und den realen wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen besteht weiterhin eine erhebliche Lücke.

Kreislaufwirtschaft ist systemrelevant

Die deutsche Kreislaufwirtschaft behandelt und verwertet jährlich rund 400 Millionen Tonnen Abfall. Sie sichert Stoffströme, gewinnt Sekundärrohstoffe zurück, schützt Umwelt und Gesundheit und gewährleistet die sichere Entsorgung nicht verwertbarer Abfälle. Dazu zählt auch die thermische Abfallbehandlung, die als unverzichtbarer Bestandteil der Entsorgungsinfrastruktur zur Schadstoffsenkung, Hygienisierung, Volumenreduktion sowie zur Bereitstellung von Energie beiträgt.

Gerade in Krisenzeiten zeigt sich: Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist Voraussetzung für kommunale Daseinsvorsorge, industrielle Resilienz und Versorgungssicherheit. Dennoch wird die Branche politisch häufig weiterhin vor allem als nachgelagerter Umweltsektor betrachtet. Ihre Rolle als Teil kritischer Infrastruktur und industrieller Wertschöpfung muss sich stärker in verlässlichen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln.

Hohe technische Leistungsfähigkeit, steigender wirtschaftlicher Druck

Mit rund 13.500 Behandlungs- und Entsorgungsanlagen verfügt Deutschland über eine leistungsfähige und hoch technisierte Infrastruktur. Über Jahrzehnte wurden Sammel-, Sortier-, Aufbereitungs-, Recycling- und Verwertungsstrukturen aufgebaut, die international Maßstäbe setzen. Der Statusbericht zeigt jedoch auch eine zunehmend angespannte Lage in zentralen Segmenten der Branche. Volatile Preise für Sekundärrohstoffe, unsichere Absatzmärkte, steigende Energie-, Sicherheits- und Genehmigungskosten sowie wachsende regulatorische Anforderungen belasten Unternehmen und Anlagenbetreiber. Diese Entwicklungen wirken sich auf Umsatz, Anlagenbestand und Unternehmenszahl aus und erschweren langfristige Investitionsentscheidungen.

Damit wird ein Kernproblem sichtbar: Die Politik fordert mehr Kreislaufwirtschaft, doch die dafür erforderliche Planbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit bleiben vielerorts unzureichend.

Kreislaufführung scheitert nicht nur an Technik

Der Bericht zeigt auch: Deutschland verfügt über funktionierende Systeme zur Erfassung und Behandlung von Abfällen. Dass Materialien dennoch nicht immer in höherwertige Kreisläufe zurückgeführt werden, liegt häufig weniger an technischen Grenzen als an Marktbedingungen und regulatorischen Hemmnissen. Produktdesigns, komplexe Materialverbunde, fehlende Nachfrage nach Rezyklaten, unklare Qualitätsanforderungen und rechtliche Unsicherheiten erschweren eine konsequente Kreislaufführung. Technische Innovationen allein können diese Defizite nicht ausgleichen. Notwendig sind politische Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Produktdesign über Rezyklateinsatzquoten bis hin zu funktionierenden Märkten für Sekundärrohstoffe.

Auch für die thermische Abfallbehandlung ist diese Einordnung zentral: Sie übernimmt Verantwortung für Stoffströme, die nicht oder nicht mehr hochwertig recycelt werden, und trägt damit zur Stabilität des Gesamtsystems bei. Eine realistische Kreislaufwirtschaft braucht deshalb sowohl mehr Recycling als auch sichere, effiziente und klimaverträgliche Behandlungspfade für verbleibende Reststoffe.

Innovation braucht verlässliche Märkte

Die Branche investiert bereits heute in neue Technologien: digitale Stoffstromsteuerung, KI-gestützte Sortierung, automatisierte Aufbereitung und datenbasierte Prozessoptimierung sind vielerorts Realität. Auch thermische Abfallbehandlungsanlagen entwickeln sich weiter, etwa durch Effizienzsteigerungen, bessere Energieauskopplung, Metallrückgewinnung aus Schlacken und Perspektiven zur CO₂-Abscheidung.

Der Statusbericht macht jedoch deutlich, dass Innovationen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nur begrenzt in die Breite kommen. Hohe Investitionsrisiken, lange Genehmigungsverfahren und fehlende Marktsignale bremsen den Übergang von Pilotprojekten in den Regelbetrieb. Wer Innovation in der Kreislaufwirtschaft fordert, muss daher auch stabile Regeln, planbare Märkte und eine aktive Nachfragepolitik ermöglichen.

Branche am Scheideweg

Der Statusbericht zeichnet das Bild einer Branche im Übergang: zwischen hoher technischer Leistungsfähigkeit und wirtschaftlicher Unsicherheit, zwischen ambitionierten politischen Zielen und noch unzureichender Umsetzung.

Aus unserer Sicht ist klar: Die thermische Abfallbehandlung bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Sie sichert Entsorgung, schützt vor Schadstoffen, gewinnt Energie zurück und stabilisiert Stoffströme dort, wo Recycling technisch, ökologisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll möglich ist.

Die Kreislaufwirtschaft ist bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht sie jedoch realistische politische Zielsetzungen, verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit. Nur dann kann sie ihre Rolle für Rohstoffsicherung, Klimaschutz, Entsorgungssicherheit und industrielle Resilienz dauerhaft erfüllen.

Seit dem Inkrafttreten der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi) vor 20 Jahren ist es in Deutschland selbstverständlich, unbehandelte Abfälle nicht mehr zu deponieren. Ein wichtiger Schritt, der die Umweltbelastung deutlich reduziert hat, von dem viele EU-Länder aber immer noch weit entfernt sind. Auch die Schadstoffzerstörung im Abfall gewinnt an Bedeutung, ausgelöst durch die Debatte um PFAS: Nach heutigem Stand werden diese in thermischen Abfallbehandlungsanlagen (TAB) weitgehend zerstört.
Die Politik läuft sehenden Auges Gefahr, die im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten weit entwickelte deutsche Kreislaufwirtschaft über die CO₂-Bepreisung dafür abzustrafen, vor 20 Jahren den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Die CO2-Bepreisung muss deshalb europaweit gelten und insbesondere auch Deponien einbeziehen. Eine einseitige CO2-Bepreisung in Kombination mit der immer weiter ausufernden Bürokratie, die TAB auferlegt wird, hätte langfristige negative Auswirkungen auf die ohnehin schwächelnde deutsche Wirtschaft, und zwar zulasten derjenigen, die ohnehin schon immer weniger Verständnis für Klimaschutz in Zeiten der Polykrise aufbringen: die Bürgerinnen und Bürger.
Auch muss die Infrastruktur der deutschen Kreislaufwirtschaft geschützt werden, vor allem vor Schäden durch Lachgasbehälter oder Akkus. Nur so können wir dafür sorgen, dass wir dieses Niveau nicht nur halten, sondern auch ausbauen können. 
Wir sind stolz darauf, ein wichtiger Teil der Kreislaufwirtschaft zu sein und unseren Beitrag auch zur Energiewende und dem Klimaschutz beizutragen. Viel Spaß beim Lesen!

Dr. Ragnar Warnecke
Vorstandsvorsitzender
Dr. Bastian Wens
Geschäftsführer

 

Unterstützer und Bearbeiter
Beteiligte Verbände, Vereine und Unternehmen: ASA, BDE, BDSAV, BDSV, Baustoff Recycling, Bayern, BVA, bvse, DGAW, FEhS, InwesD, ITAD, VDM, VDMA, VHI, VKU und IFAT
Bearbeitung durch: Prognos AG, INFA GmbH, INZIN e.V.

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