VDI-/ITAD-Konferenz Thermische Abfallbehandlung 2026 in Würzburg

Blick in den Zuschauerraum einer großen Konferenz, ein Redner steht auf der Bühne

Nahezu ausgebucht, ein breites Themenspektrum und gute Stimmung: Die 38. VDI-/ITAD-Fachkonferenz „Thermische Abfallbehandlung 2026“ brachte am 23. und 24. September 2026 in Würzburg Fachleute aus Anlagenbetrieb, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen. Gemeinsam mit dem VDI Wissensforum blicken wir auf eine Veranstaltung zurück, die ihren Stellenwert als wichtigstes Branchentreffen der thermischen Abfallbehandlung erneut bestätigt hat.

Wie entwickelt sich die Branche unter veränderten rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen? Welche technischen Möglichkeiten eröffnen sich für Energieeffizienz, CO₂-Abscheidung und Ressourcenrückgewinnung? Und welche Erfahrungen aus Forschung und Betrieb helfen dabei, diese Möglichkeiten einzuordnen? Unter der Konferenzleitung von Michael Theben, Dr. Ragnar Warnecke und unserem Stellvertretenden Geschäftsführer Martin Treder verband die Veranstaltung übergeordnete Zukunftsfragen mit konkreten Herausforderungen der Anlagenpraxis. Der vorausgegangene Spezialtag zur Energieeffizienz ergänzte das Programm um einen vertieften Blick auf die energetischen Potenziale der TAB.

Branchenentwicklung zwischen Anspruch und technischer Realität

Den Auftakt der Hauptkonferenz bildete die Keynote von Prof. Dr. Uwe Lahl zu den Potenzialen und Risiken des Kunststoffrecyclings. Die Unterscheidung zwischen möglichen und wahrscheinlichen Szenarien setzte einen Rahmen für die weitere Veranstaltung: Welche Entwicklungen sind technisch denkbar und welche Perspektiven ergeben sich daraus tatsächlich für die Abfallwirtschaft?

Dr. Ella Stengler von CEWEP richtete den Blick auf die europäische Ebene, während unser Geschäftsführer Dr. Bastian Wens Zahlen, Daten und Entwicklungen der TAB-Branche in Deutschland einordnete. Die Beiträge spannten den Bogen von der Kreislaufwirtschaft über den Emissionshandel bis zu weiteren europäischen Vorhaben mit Bedeutung für die Branche.

Eine ergänzende Perspektive brachte Markus Gleis mit seinem persönlichen Rückblick auf 40 Jahre Abfallwirtschaft ein. Technische Fortschritte, veränderte gesellschaftliche Erwartungen und gescheiterte Visionen standen dabei nebeneinander. So erhielt die Diskussion über zukünftige Entwicklungen auch eine historische Dimension: Wie haben sich die Aufgaben und das Selbstverständnis Thermischer Abfallbehandlungsanlagen verändert, und welche Erfahrungen lassen sich aus früheren Ansätzen mitnehmen? 

Rechtliche Orientierung und Perspektiven für Carbon Management

Ein Teil der Konferenz widmete sich den rechtlichen Rahmenbedingungen des Anlagenbetriebs. Die Beiträge zum Abfall- und Energierecht behandelten unter anderem Fragen rund um CCUS, den Umgang mit unterschiedlichen Abfallströmen sowie Wärmeplanung, Fernwärmeregulierung und Abwärmenutzung. Für die Teilnehmenden bot dieser Themenblock einen Überblick darüber, welche Regelungsbereiche bei betrieblichen und strategischen Entscheidungen gemeinsam betrachtet werden müssen.

Beim Carbon Management und Emissionshandel kamen mit Malte Bornkamm aus dem Bundeswirtschaftsministerium und Dr. Uwe Neuser aus dem Bundesumweltministerium auch Perspektiven aus der Bundespolitik hinzu. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für Carbon Management sowie Fragen zur Einordnung der TAB in den nationalen und europäischen Emissionshandel.

Klärschlamm und Phosphor: Von Verfahren zur Umsetzung

Bei der Klärschlammverbrennung und dem Phosphorrecycling führte die Konferenz unterschiedliche Perspektiven zusammen: die Marktlage, technische Entwicklungen, betriebliche Herausforderungen und Fragen nach den erforderlichen Rückgewinnungskapazitäten.

Die Frage „Phosphorrückgewinnung – alles klar bis 2029?“ bildete dabei einen Ausgangspunkt für die Betrachtung von Technologien und Umsetzungsperspektiven. Neben großtechnischen und dezentralen Ansätzen der Klärschlammverbrennung wurden Möglichkeiten zur Emissionsminderung und Betriebsoptimierung vorgestellt. Einblicke in die Phosphorrückgewinnung mittels Drehrohrtechnologie ergänzten das Bild um Erfahrungen mit der Anwendung erprobter Technik in einem neuen Zusammenhang.

Der Themenblock beschränkte sich damit nicht auf die Funktionsweise einzelner Verfahren. Ebenso ging es um Kapazitäten, den Einbau in bestehende Strukturen und die praktischen Voraussetzungen für ihre Umsetzung. 

PFAS: Behandlung und Nachweis gemeinsam betrachten

Ein Schwerpunkt des zweiten Konferenztages war der Umgang mit PFAS in der thermischen Abfallbehandlung. Dabei wurden sowohl die Siedlungsabfallverbrennung als auch die Sonderabfallverbrennung betrachtet.

Im Fokus standen nicht allein thermische Abbauprozesse, sondern auch die Frage, wie diese unter Praxisbedingungen untersucht und bewertet werden können. Die Beiträge behandelten Analysemethoden für feste und flüssige Stoffe, Messungen im Abgas sowie mögliche Zersetzungsprodukte und Mineralisierungspfade. Erfahrungen aus dem Anlagenbetrieb ergänzten die wissenschaftliche Perspektive um Fragen der Prozessführung und der praktischen Überwachung.

Damit rückte ein wichtiger Zusammenhang in den Vordergrund: Zur Bewertung von Behandlungsverfahren gehören neben den technischen Prozessen auch belastbare Messmethoden und nachvollziehbare Nachweise. Ergänzend wurde der europäische regulatorische Umgang mit PFAS thematisiert. 

Betriebspraxis und neue Wege der Ressourcenrückgewinnung

Wie sich Veränderungen einzelner Abfallströme auf die Branche auswirken können, wurde am Beispiel der Alttextilien betrachtet. Der Beitrag thematisierte steigende Mengen, sinkende Qualitäten und den Druck auf den Recyclingmarkt – und damit auch die Frage, welche Rolle die thermische Behandlung für nicht werkstofflich verwertbare Anteile übernimmt.

Weitere Einblicke in die Betriebspraxis boten das Benchmarking thermischer Abfallbehandlungsanlagen und der Vergleich von Neubau-, Anbau- und Umbaulösungen. Hier standen Kennzahlen, Kostenstrukturen und mögliche Synergien im Mittelpunkt. Diese wirtschaftliche Perspektive ergänzte die Diskussion über neue Technologien um die Frage, wie sich unterschiedliche Ansätze für Betreiber bewerten lassen.

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf Reststoffe und Rückstände aus der Verbrennung. Vorgestellt wurden Ansätze zur Rückgewinnung von Metallen und mineralischen Rohstoffen, zur Verwendung aufbereiteter mineralischer Fraktionen in Beton sowie zur Behandlung von Rauchgasreinigungsrückständen. Neben den technischen Potenzialen kamen auch stoffliche Eigenschaften, Zulassungsfragen und wirtschaftliche Bewertungen zur Sprache. So wurde die Ressourcenrückgewinnung nicht nur als Verfahrensfrage, sondern im Zusammenhang mit den Voraussetzungen einer weiteren Nutzung betrachtet.

Ein Branchentreffen lebt vom persönlichen Austausch

Neben den Vorträgen boten die begleitende Fachausstellung und die Pausen Gelegenheit, Fragen zu vertiefen, Kontakte zu pflegen und Erfahrungen miteinander zu teilen. Auch das Abendprogramm trug zur guten Atmosphäre bei: beim ITAD-Diskussionsabend im Würzburger Hofbräukeller ebenso wie beim Fränkischen Abend in den Bürgerspital Weinstuben.

Die erneut sehr hohe Nachfrage und die gute Stimmung unterstrichen, welchen Stellenwert dieser persönliche Austausch für die Branche hat. Gerade die Verbindung aus fachlicher Einordnung, Einblicken in die Betriebspraxis und Gesprächen über Unternehmens- und Fachgrenzen hinweg macht die VDI-/ITAD-Fachkonferenz aus.

Für uns als ITAD zeigt der Rückblick auf diese drei Tage vor allem, wie eng die Themen der thermischen Abfallbehandlung miteinander verbunden sind: sichere Entsorgung, Energieversorgung, Klimaschutz und Ressourcenrückgewinnung lassen sich nicht isoliert betrachten. Die Konferenz bot Raum, diese Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.

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ITAD-Highlights auf der Konferenz

Dr. Bastian Wens: Die deutsche TAB-Branche im Blick

Wo steht die thermische Abfallbehandlung in Deutschland? Dieser Frage widmete sich unser Geschäftsführer Dr. Bastian Wens mit seinem Überblick über die aktuelle Branchenentwicklung. Mit „TAB 2025: Zahlen, Daten, Fakten“ stellte er die Bestandsaufnahme für das zurückliegende Jahr vor und richtete den Blick auf die Entwicklungen, die unsere Branche derzeit beschäftigen. Sein Beitrag ergänzte die europäische Perspektive um die Situation in Deutschland und brachte die Sicht unseres Verbands in den fachlichen Austausch ein.

Isabel Kaphahn: Ausgezeichnete TAB-Forschung

Ein besonderes Highlight aus ITAD-Sicht war der Beitrag von Isabel Kaphahn von der RWTH Aachen. Bereits Anfang des Jahres hatten wir sie auf dem DGAW-Wissenschaftskongress 2026 mit dem ITAD-Sonderpreis ausgezeichnet. Auf der Fachkonferenz gab sie nun erneut Einblicke in ihre Forschung zur großtechnischen Umsetzung des Oxyfuel-Verfahrens für die CO₂-Abscheidung in Thermischen Abfallbehandlungsanlagen. Dabei stellte sie die Modellierung unterschiedlicher Umsetzungsstrategien vor und beleuchtete, wie die Rückführung von Rauchgas sowie unterschiedliche Sauerstoff- und Wasserdampfgehalte die Prozesse beeinflussen.

Impressionen

VDI-/ITAD-Spezialtag "Steigerung der Energieeffizienz bei TAB" am 22. September

Bereits am 22. September stand beim Spezialtag die Frage im Mittelpunkt, wie Thermische Abfallbehandlungsanlagen ihre Energieeffizienz weiter steigern können. Unter der Leitung von Martin Treder reichten die Beiträge von der Energiegewinnung und -vermarktung über unterschiedliche Speicherlösungen bis zur Aufwertung von Abwärme durch Wärmepumpen. Dabei wurden technische Möglichkeiten ebenso betrachtet wie ihre wirtschaftliche Bewertung und die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Ein wichtiger Zusammenhang war die Verbindung von CO₂-Abscheidung und Wärmeversorgung. Es gab u. a. Einblicke in Carbon-Capture-Aktivitäten und den Energiebedarf der Abscheidung sowie die Nutzung von Wärme aus dem Prozess. Der Spezialtag lenkte den Blick damit über einzelne Komponenten hinaus: auf die Einbindung in bestehende Anlagen, die Verbindung mit Wärmenetzen und Speichern sowie die Frage, welche Kombinationen am jeweiligen Standort technisch und wirtschaftlich sinnvoll sein können.

Impressionen

Über die Veranstaltungsreihe

Die VDI-/ITAD-Fachkonferenz „Thermische Abfallbehandlung“ ist ein etabliertes Branchentreffen für Fachleute aus Anlagenbetrieb, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Gemeinsam mit dem VDI Wissensforum bieten wir eine Plattform, um aktuelle Entwicklungen einzuordnen, Erfahrungen auszutauschen und Perspektiven für die Zukunft der thermischen Abfallbehandlung zu diskutieren. Die Konferenzreihe verbindet technische Innovationen und Einblicke in die Betriebspraxis mit rechtlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen. Eine begleitende Fachausstellung und das gemeinsame Abendprogramm schaffen zusätzlichen Raum für persönliche Begegnungen, vertiefende Gespräche und die Vernetzung innerhalb der Branche.

Die nächste VDI-/ITAD-Konferenz findet am 28. und 29. September 2027 in Würzburg statt.

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