Branchenentwicklung zwischen Anspruch und technischer Realität
Den Auftakt der Hauptkonferenz bildete die Keynote von Prof. Dr. Uwe Lahl zu den Potenzialen und Risiken des Kunststoffrecyclings. Die Unterscheidung zwischen möglichen und wahrscheinlichen Szenarien setzte einen Rahmen für die weitere Veranstaltung: Welche Entwicklungen sind technisch denkbar und welche Perspektiven ergeben sich daraus tatsächlich für die Abfallwirtschaft?
Dr. Ella Stengler von CEWEP richtete den Blick auf die europäische Ebene, während unser Geschäftsführer Dr. Bastian Wens Zahlen, Daten und Entwicklungen der TAB-Branche in Deutschland einordnete. Die Beiträge spannten den Bogen von der Kreislaufwirtschaft über den Emissionshandel bis zu weiteren europäischen Vorhaben mit Bedeutung für die Branche.
Eine ergänzende Perspektive brachte Markus Gleis mit seinem persönlichen Rückblick auf 40 Jahre Abfallwirtschaft ein. Technische Fortschritte, veränderte gesellschaftliche Erwartungen und gescheiterte Visionen standen dabei nebeneinander. So erhielt die Diskussion über zukünftige Entwicklungen auch eine historische Dimension: Wie haben sich die Aufgaben und das Selbstverständnis Thermischer Abfallbehandlungsanlagen verändert, und welche Erfahrungen lassen sich aus früheren Ansätzen mitnehmen?
Rechtliche Orientierung und Perspektiven für Carbon Management
Ein Teil der Konferenz widmete sich den rechtlichen Rahmenbedingungen des Anlagenbetriebs. Die Beiträge zum Abfall- und Energierecht behandelten unter anderem Fragen rund um CCUS, den Umgang mit unterschiedlichen Abfallströmen sowie Wärmeplanung, Fernwärmeregulierung und Abwärmenutzung. Für die Teilnehmenden bot dieser Themenblock einen Überblick darüber, welche Regelungsbereiche bei betrieblichen und strategischen Entscheidungen gemeinsam betrachtet werden müssen.
Beim Carbon Management und Emissionshandel kamen mit Malte Bornkamm aus dem Bundeswirtschaftsministerium und Dr. Uwe Neuser aus dem Bundesumweltministerium auch Perspektiven aus der Bundespolitik hinzu. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für Carbon Management sowie Fragen zur Einordnung der TAB in den nationalen und europäischen Emissionshandel.
Klärschlamm und Phosphor: Von Verfahren zur Umsetzung
Bei der Klärschlammverbrennung und dem Phosphorrecycling führte die Konferenz unterschiedliche Perspektiven zusammen: die Marktlage, technische Entwicklungen, betriebliche Herausforderungen und Fragen nach den erforderlichen Rückgewinnungskapazitäten.
Die Frage „Phosphorrückgewinnung – alles klar bis 2029?“ bildete dabei einen Ausgangspunkt für die Betrachtung von Technologien und Umsetzungsperspektiven. Neben großtechnischen und dezentralen Ansätzen der Klärschlammverbrennung wurden Möglichkeiten zur Emissionsminderung und Betriebsoptimierung vorgestellt. Einblicke in die Phosphorrückgewinnung mittels Drehrohrtechnologie ergänzten das Bild um Erfahrungen mit der Anwendung erprobter Technik in einem neuen Zusammenhang.
Der Themenblock beschränkte sich damit nicht auf die Funktionsweise einzelner Verfahren. Ebenso ging es um Kapazitäten, den Einbau in bestehende Strukturen und die praktischen Voraussetzungen für ihre Umsetzung.
PFAS: Behandlung und Nachweis gemeinsam betrachten
Ein Schwerpunkt des zweiten Konferenztages war der Umgang mit PFAS in der thermischen Abfallbehandlung. Dabei wurden sowohl die Siedlungsabfallverbrennung als auch die Sonderabfallverbrennung betrachtet.
Im Fokus standen nicht allein thermische Abbauprozesse, sondern auch die Frage, wie diese unter Praxisbedingungen untersucht und bewertet werden können. Die Beiträge behandelten Analysemethoden für feste und flüssige Stoffe, Messungen im Abgas sowie mögliche Zersetzungsprodukte und Mineralisierungspfade. Erfahrungen aus dem Anlagenbetrieb ergänzten die wissenschaftliche Perspektive um Fragen der Prozessführung und der praktischen Überwachung.
Damit rückte ein wichtiger Zusammenhang in den Vordergrund: Zur Bewertung von Behandlungsverfahren gehören neben den technischen Prozessen auch belastbare Messmethoden und nachvollziehbare Nachweise. Ergänzend wurde der europäische regulatorische Umgang mit PFAS thematisiert.
Betriebspraxis und neue Wege der Ressourcenrückgewinnung
Wie sich Veränderungen einzelner Abfallströme auf die Branche auswirken können, wurde am Beispiel der Alttextilien betrachtet. Der Beitrag thematisierte steigende Mengen, sinkende Qualitäten und den Druck auf den Recyclingmarkt – und damit auch die Frage, welche Rolle die thermische Behandlung für nicht werkstofflich verwertbare Anteile übernimmt.
Weitere Einblicke in die Betriebspraxis boten das Benchmarking thermischer Abfallbehandlungsanlagen und der Vergleich von Neubau-, Anbau- und Umbaulösungen. Hier standen Kennzahlen, Kostenstrukturen und mögliche Synergien im Mittelpunkt. Diese wirtschaftliche Perspektive ergänzte die Diskussion über neue Technologien um die Frage, wie sich unterschiedliche Ansätze für Betreiber bewerten lassen.
Zum Abschluss richtete sich der Blick auf Reststoffe und Rückstände aus der Verbrennung. Vorgestellt wurden Ansätze zur Rückgewinnung von Metallen und mineralischen Rohstoffen, zur Verwendung aufbereiteter mineralischer Fraktionen in Beton sowie zur Behandlung von Rauchgasreinigungsrückständen. Neben den technischen Potenzialen kamen auch stoffliche Eigenschaften, Zulassungsfragen und wirtschaftliche Bewertungen zur Sprache. So wurde die Ressourcenrückgewinnung nicht nur als Verfahrensfrage, sondern im Zusammenhang mit den Voraussetzungen einer weiteren Nutzung betrachtet.
Ein Branchentreffen lebt vom persönlichen Austausch
Neben den Vorträgen boten die begleitende Fachausstellung und die Pausen Gelegenheit, Fragen zu vertiefen, Kontakte zu pflegen und Erfahrungen miteinander zu teilen. Auch das Abendprogramm trug zur guten Atmosphäre bei: beim ITAD-Diskussionsabend im Würzburger Hofbräukeller ebenso wie beim Fränkischen Abend in den Bürgerspital Weinstuben.
Die erneut sehr hohe Nachfrage und die gute Stimmung unterstrichen, welchen Stellenwert dieser persönliche Austausch für die Branche hat. Gerade die Verbindung aus fachlicher Einordnung, Einblicken in die Betriebspraxis und Gesprächen über Unternehmens- und Fachgrenzen hinweg macht die VDI-/ITAD-Fachkonferenz aus.
Für uns als ITAD zeigt der Rückblick auf diese drei Tage vor allem, wie eng die Themen der thermischen Abfallbehandlung miteinander verbunden sind: sichere Entsorgung, Energieversorgung, Klimaschutz und Ressourcenrückgewinnung lassen sich nicht isoliert betrachten. Die Konferenz bot Raum, diese Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.



















