Mit Inkrafttreten der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) hat sich die rechtliche Grundlage für den Einsatz mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) grundlegend verändert. Vor diesem Hintergrund führte die ITAD Mitte 2024 gemeinsam mit weiteren Verbänden eine Umfrage unter Betreibern thermischer Abfallbehandlungsanlagen durch, um die aktuelle Nutzung von MEB und die Erwartungen an deren künftige Rolle zu erfassen. Der Bericht lieferte erstmals eine bundesweite Einschätzung, wie sich Markt und Akzeptanz entwickeln.
Die Umfrage zeigte deutlich: Der Einsatz von mineralischen Ersatzbaustoffen – etwa Schlacken oder Aschen aus Müllverbrennungsanlagen – ist in den vergangenen Jahren rückläufig. Hauptgründe sind strengere Anforderungen der EBV, Unsicherheiten bei der rechtlichen Auslegung und teilweise fehlende Abnehmerstrukturen. Viele Anlagenbetreiber berichten, dass die Abgabe von MEB an Dritte schwieriger geworden ist und der Aufwand für Analytik und Nachweisführung deutlich gestiegen ist.
Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede: Während in einigen Bundesländern, etwa in Norddeutschland, MEB weiterhin im Straßen- und Deponiebau eingesetzt werden, ist der Markt in anderen Regionen nahezu zum Erliegen gekommen. Besonders restriktive Vorgaben der Straßenbauverwaltungen oder kommunale Zurückhaltung bei der Verwendung von Ersatzbaustoffen wirken hier hemmend. Laut Bericht erwarten mehrere Anlagen mittelfristig steigende Lagerbestände oder eine vermehrte Deponierung bislang verwerteter Materialien.
Ein zentraler Kritikpunkt der befragten Anlagen war die Komplexität der neuen rechtlichen Vorgaben. Die EBV führt zu erhöhtem Aufwand in der Qualitätssicherung, zur Notwendigkeit zusätzlicher Untersuchungen und zu Unsicherheiten bei der Anerkennung bestehender Bauweisen. Mehrere Betreiber forderten klare Vollzugshinweise und eine einheitliche Auslegung durch die Länder. Der Bericht betonte, dass ohne verlässliche Rahmenbedingungen eine wirtschaftliche Verwertung vieler Stoffströme kaum möglich bleibt.
Trotz der derzeit angespannten Lage sahen viele Befragte weiterhin Potenzial für MEB, vorausgesetzt, öffentliche Auftraggeber und Planungsbehörden akzeptieren die Materialien stärker als gleichwertige Alternative zu Primärbaustoffen. Technisch seien die meisten Ersatzbaustoffe längst ausgereift, so der Bericht. Entscheidend sei nun, Vertrauen in die Qualität und Umweltverträglichkeit zu schaffen.
Die Umfrage macht deutlich: Ohne politische und administrative Unterstützung droht der Einsatz mineralischer Ersatzbaustoffe in Deutschland weiter zurückzugehen. Das hätte nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Folgen, etwa durch höhere Entsorgungskosten und steigenden Bedarf an Primärrohstoffen. ITAD setzt sich deshalb für praxisgerechte Rahmenbedingungen und eine stärkere öffentliche Anerkennung von MEB als nachhaltige Ressource ein.
20.12.2022 Deutschland hat sich mit dem Klimaschutzgesetz verpflichtet, bis 2045 treibhausgasneutral zu…