Jahresbericht 2024-2025

Grünes Cover mit Schrift "Funke der Veränderung"

Der diesjährige Jahresbericht beschreibt, wie sich die thermische Abfallbehandlung in einem Spannungsfeld aus Klima-, Energie- und Ressourcenpolitik weiterentwickelt und welche Rolle sie in einer modernen Kreislaufwirtschaft spielt. Ausgangspunkt ist der Rückblick auf das Deponieverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle, das als eigentliche Geburtsstunde einer abfallarmen und klimaschonenderen Wirtschaftsweise dargestellt wird. 

Am ersten Juni 2005 sind die Regelungen der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi) vollständig in Kraft getreten. Seit nunmehr 20 Jahren leben wir in Deutschland die TASi und es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass unbehandelte Siedlungsabfälle nicht mehr deponiert werden. Aus heutiger Sicht kann man sagen: Den Weg, den Deutschland schon 1993 mit der Verabschiedung der TASi eingeschlagen hat, war ein richtiger Weg und hat die Kreislaufwirtschaft einen großen
Schritt nach vorne gebracht.

Dr. Ragnar Warnecke, Vorstandsvorsitzender der ITAD

Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus Anlagenbetrieb, Behörden und Umweltverbänden zeichnen nach, warum der Abschied von der Deponie notwendig war, welchen Beitrag er zum Klimaschutz geleistet hat und wo heute Grenzen und Zielkonflikte liegen – etwa beim Vorwurf eines „Lock-in“ in Verbrennungsstrukturen und der Forderung nach mehr Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling.

Ein zweiter großer Block widmet sich der Frage, wie mit unvermeidbaren Treibhausgas-Emissionen umgegangen werden kann. Vorgestellt werden die Überlegungen zu einer nationalen Strategie für den Umgang mit Kohlenstoff, neue Regeln für Transport und Speicherung von Kohlendioxid sowie die Möglichkeiten, Abgasströme aus Abfallverbrennungsanlagen abzuscheiden und zu speichern oder weiterzuverwenden. Der Bericht erläutert die enge Verknüpfung mit verschiedenen Emissionshandelssystemen und schildert rechtliche Auseinandersetzungen um die Bepreisung von Emissionen und um Steuerfragen im Energiesektor. Zugleich wird deutlich, dass die Anlagen durch effiziente Energienutzung bereits heute wesentlich zur Versorgungssicherheit beitragen, untermauert durch ein Beispiel, bei dem gerichtlich festgestellt wurde, dass aus Restabfällen gewonnene Energie teilweise als erneuerbar anzusehen ist und entsprechend vorrangig ins Netz eingespeist werden darf.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Stoffströmen und technischen Detailfragen. Ausführlich behandelt wird die Zukunft der Klärschlammentsorgung: Die Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor, der schleppende Ausbau geeigneter Recyclinganlagen, drohende Entsorgungsengpässe und der Vergleich mit früheren Umbrüchen in der Abfallwirtschaft. Der Bericht zeigt, wie an vielen Standorten spezielle Verbrennungsanlagen entstehen, warum unklare Zuständigkeiten und kurzsichtige Ausschreibungen Investitionen bremsen und dass die Mehrkosten für eine umweltgerechte Lösung pro Person überschaubar wären. Daneben werden die Nutzung von Rostaschen als Ersatz für Primärrohstoffe, der Umgang mit langlebigen Chemikalien in Abfällen und Messkampagnen zur besseren Erfassung von Schadstoffströmen beschrieben. Die Umsetzung strengerer Emissionsvorgaben und neue Anforderungen an Energieeffizienz und Radioaktivitätsüberwachung werden als technisch sinnvoll, aber in Details auslegungsbedürftig und bürokratisch anspruchsvoll diskutiert.

Die thermische Abfallbehandlung steht bereit, ihren Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und zum Klimaschutz weiter auszubauen. Dafür braucht es jedoch ein politisches Umfeld, das Investitionen ermöglicht, Innovationen zulässt, Bürokratie abbaut und Sicherheitsrisiken ernst nimmt. Die neue Bundesregierung ist nun gefordert, zügig die richtigen Weichen für eine zukunftsfähige, ressourcenschonende und sichere Abfallwirtschaft zu stellen.

Dr. Bastian Wens, Geschäftsführung ITAD

Deutlich wird auch, wie sehr die Branche von Fehlwürfen im Alltag betroffen ist. Der Jahresbericht schildert die wachsenden Probleme durch falsch entsorgte Druckgasbehälter und Akkus, die zu Explosionen und Bränden in Sammelfahrzeugen, Sortieranlagen und Verbrennungsanlagen führen. Beispiele aus Großstädten zeigen, wie Betreiber mit Aufklärungskampagnen, gemeinsamen Slogans und politischen Initiativen gegensteuern, während zugleich über Pfandsysteme und Produkthaftung nachgedacht wird. In einem ähnlichen Spannungsfeld stehen Diskussionen um fluorhaltige Chemikalien: Einerseits wird vor vorschnellen Grenzwerten ohne gesicherte Messmethodik gewarnt, andererseits wird betont, dass hochtemperierte Anlagen diese Stoffe weitgehend zerstören können und damit eine wichtige Schutzfunktion übernehmen.

Schließlich zeichnet der Bericht ein Bild des Verbandes selbst: von den historischen Anfängen als Zusammenschluss klassischer Müllverbrennungsanlagen hin zu einem breit aufgestellten Netzwerk mit Arbeitsgruppen zu Klima, Technik, Recht, Kommunikation, Nachhaltigkeit und Reststoffen. Es werden Jubiläen, personelle Veränderungen und Nachrufe auf prägende Persönlichkeiten ebenso aufgegriffen wie ein Förderpreis für Nachwuchsforschende, der innovative Wege zur Nutzung von Verbrennungsrückständen im Bauwesen auszeichnet. Ein Interview mit einem Vertreter der europäischen Ebene beleuchtet, wohin sich die Abfall- und Industriepolitik in der Union bewegt und wie sich die Betreiber von Abfallbehandlungsanlagen dort einbringen. Abgerundet wird der Jahresbericht durch Berichte aus regionalen Netzwerken, einem Überblick über die Datenlage der Abfallwirtschaft sowie Informationen zur Geschäftsstelle, zu Gremien und zur Mitgliedschaft im Verband, und macht damit deutlich, dass thermische Abfallbehandlung heute als Teil eines umfassenden Systems aus Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und Daseinsvorsorge verstanden werden muss.

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